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Der neue Glossenhauer

Immer was zu feiern

24. Oktober 206

Jetzt ist bald Nationalfeiertag.
„Was?“, denkt sich da die Leserschaft aus der Bundesrepublik, „der war doch gerade.“ Ja, stimmt. Allerdings nur der deutsche. Der österreichische steht dagegen vor der Tür.
Wer jetzt sagt: „Da mach halt nicht auf!“, dem sei gesagt: Hilft nichts. Der kommt da trotzdem durch. Daran sieht man schon: Nationalfeiertage sind komisch. Seltsam. Immer ein bißchen spooky (sie kommen durch die geschlossene Tür). Und Nationalfeiertage sind immer eine gute Gelegenheit für lange Reden, Militäraufmärsche und Nichts-tun.

Wenn ich beide Staatsbürgerschaften hätte - die österreichische und die deutsche - dürfte ich zweimal im Oktober blau machen. Defacto schaut’s anders aus: Am 3. Oktober war ich in Tirol und am 26. werde ich in Frankfurt sein.
Obendrein bin ich Freiberufler - ich arbeite also eh immer.

So wie jetzt gerade. Und mitten in der Arbeit frage ich mich, ob es genügend Länder auf der Welt gäbe, deren Nationalität ich annehmen könnte, um das ganze Jahr Nationalfeiertag zu feiern - und deswegen auch frei zu haben.

Eine kurze Recherche zeigt: Natürlich nicht. Es gibt 195 Länder, die in der UNO einen Sitz haben und das Jahr hat 365 Tage. Zieht man allerdings die 52 Sonntage ab, die ja ohnehin schon frei sind (darum gehts ja), bleiben nur mehr 313. 

Und 313 ist - wie jeder gebildete Mensch weiß - die Autonummer von Donald Duck und das…

… hilft uns auch nicht weiter.

Darüberhinaus müßten ja auch alle Nationen an unterschiedlichen Tagen Feiertage haben.
Davon ist keineswegs auszugehen. Die Recherche gibt dem Zweifel recht.
So haben etwa Kuba, die Slowakei und der Sudan alle am 1. Jänner was zu feiern.
Tuvalu, Palau und Nigeria aber am 1. Oktober.
Obendrein nehme ich an, dass kaum eine christliche Nationen den 23. Dezember als Nationalfeiertag hat.
Weiter recherchiert. Ja, ist auch so.

Der 24. Dezember gleich danach ist übrigens nicht der Nationalfeiertag des Vatikans. Nein, der Kirchenstaat feiert immer den Beginn des Pontifikats des amtierenden Papstes als Nationalfeiertag. Insofern könnte es der 23. Dezember nochmal schaffen.
Meine Recherche hat mir allerdings auch gezeigt, dass der 21. Dezember der internationale Tag des Orgasmus ist. Ich weiß nicht, ob man da frei kriegt. Und ob der überall begangen wird.
Sollte er aber. Die Leute wären - gerade so kurz vor Weihnachten - sicherlich ein bißchen entspannter.

Um ständig frei zu haben, könnte man ja natürlich auch religiöse Feiertage dazu nehmen. Oder auch ideologische. Ich weiß allerdings nicht, wie glaubhaft man dann ist, als hindu-christlicher-jüdischer-moslemischer Buddhist und überzeugter Bahai, der sich selbst als einen faschistsich-liberalen Marxist bezeichnet und mit 150 Pässen in der Tasche herum rennt.
Und das alles während man einerseits ständig jemanden sucht, mit dem er den Internationalen Tag des Orgasmus feiern kann, andererseits aber jeden zweiten Tag gar nichts tut, weil einem das entweder seine Nation oder seine Religion oder sein Vibraphon verbietet.

Obendrein gibt es ja dann noch so seltsame andere Tage.
Da feiert man nicht, aber es sind auch keine normalen Tage, an denen man einfach so einen Auffahrunfall verursacht, Nudeln kocht oder seine Kreditkarte verlängert.
Der erste Mai etwa.
Oder der 9. November. Den nennt man ja den „Schicksalstag der Deutschen“ und dass nicht, weil an dem Tag Hedy Lamarr - die österreichische Erfinderin und Schauspielerin - Geburtstag hatte.

Nein.

Und es hat auch niemand frei. Dafür werden Reden gehalten.
Dafür wird an dem Tag alle paar Jahrzehnte entweder ein neues Staatswesen begründet, ein altes abgeschafft oder man brennt in Deutschland und Österreich ein paar Gotteshäuser nieder und beginnt damit seine Nachbarn umzubringen.

Und warum? Weil es der 313. Tag des Jahres ist?
Und weil 313 bekanntlich die Autonummer von Donald Duck ist?
Sicher nicht.

Aber dass ich jetzt Donald Duck mit dem 9. November und Hedy Lamarr zusammen recherchiert habe, freut mich dann schon.
Das muss ich feiern.

Und dazu gibt es ja sichtlich immer einen Grund.
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