Severin Groebners Newsletter
Groebners neuer Glossenhauer
Der neue Glossenhauer

Schlechte Welt, schöne Worte

13. Jänner 2026

Es ist kalt. Ja.
Aber wo war der kältester Ort Österreichs gestern, am 12.1.?
Das war …. Trommelwirbel… Gugu.
Klingt das nicht allerliebst?
Kaum zu glauben, dass etwas, was so herzig klingt wie „Gugu“, minus 29 Grad kalt sein kann.
Minus 29 Grad. Da hört sich alles auf.
Aber das ist nichts Neues.

Für die Österreicher zumindest nicht, die Oberösterreicher im Speziellen nicht und die Mühlviertler im Besonderen nicht. Denn Gugu (das liebe kleine Gugu) wird auch gerne das „Sibirien des Mühlviertels“ genannt.

Wobei sich das Mühlviertel selbst schon oft das „Wyoming Oberösterreichs“ nennen lassen durfte (Mit dem Unterschied: Wyoming ist auf der Landkarte viereckig und im Mühlviertel sind es die Menschen) und Oberösterreich selbst ist ja wiederum so etwas wie das „Nordrhein-Westfalen Österreichs“ (nur, dass eben die Donau der Rhein ist). Und Österreich ist ja wiederum durchaus auch als das „Tibet Europas“ bekannt (nur dass man die Schweigeklöster hier Schihütten nennt) und Europa ist ja eindeutig das „Venedig unter den Kontinenten“ (überaltert, voller Touristen, aber schön). Wobei die Kontinente ja sicherlich die „Trockenhaube unter den Erdteilen“ sind, wenn man den Planeten nüchtern betrachtet.

Aber wer will das schon?
Erst recht bei diesen Temperaturen. Da freut man sich nur, dass man da ist, wo man ist. Nämlich hoffentlich im Warmen. Und schmiegt sich aneinander, schaut einander in die Augen und sagt sich: „Hauptsache, ich und Du… sind nicht in Gugu.“

Und Gugu ist ja nicht das einzige, was irgendwie liebevoll klingt, aber das Gegenteil davon ist.

Wüsste man nicht, wer gemeint ist, könnte man sich ja auch einen geistig eingeschränkten Tollpatsch vorstellen, vielleicht ein Schnabeltier mit Melone und Posaune, das in einer Comic-Reihe etwas verwirrt durch eine Großstadt watschelt, dabei ständig Treppen runterfällt, Ambosse auf den Schädel kriegt, von Planierraupen überfahren oder von U-Bahn-Türen eingezwängt wird, aber trotzdem dabei seine gute Laune behält. Das kleine Kerlchen würde uns in seiner Unbeholfenheit sympathisch sein und ein Lächeln auf die Großhirnrinde zaubern.

Und dann schlagen wir den Band noch mal zu, um zu sehen, wie der Depp eigentlich heißt, der gerade wieder von zwei Lkws eingequetscht wurde.
Ach ja, stimmt: Donald Trump.

Total schnuckelig klingt ja auch „Chen Zi“.
Das ist doch wahrscheinlich ein ganz ein liebes Emoji, der Dernier Cri der zart enthirnten Online-Community, das eine rosafarbene Katze zeigt, die ständig Zigarren raucht und zu allem nickt? Oder vielleicht ist aber auch „Chen Zi“ eine Yoga-Übung, bei der man auf dem rechten Bein stehend seinen linken großen Zeh ganz langsam, mit locker drehenden Bewegungen in sein rechtes Nasenloch einführt (vorher duschen bitte).
Oder nein: „Chen Zi“, das kann doch eigentlich nichts anderes sein als eine vietnamesische Süßspeise aus Kokosflocken und Grün-Tee-Eis, serviert mit einem guten Schuss Honig darüber, und das…

… ist es nicht, sondern ein schwerrreicher Cyberkrimineller, der nicht nur mit dem chinesischen Geheimdienst zusammengearbeitet, sondern auch noch seine eigenen Sklavenlager in Kambodscha für den weltweiten Online-Betrug betrieben hat. Kurz gesagt, ein Typ, dessen Geschäftsgebaren wirkt, als hätten Jan Marsalek, Andrew Tate und Ramsan Kadyrow gemeinsam ein Kind gezeugt.
Aber das klingt gar nicht süß und da stell ich mir doch lieber das Emoji vor, sonst muss ich noch über den Zeugungsakt nachdenken…
…und das will ich nicht.

Da denk ich doch lieber über das schöne Wort „Sondervermögen“ nach.
Klingt das nicht nach einem besonders talentierten Kind? Eines, das nicht nur Klavier spielt und komplexe Rechenaufgaben beim Jonglieren mit neun Bällen im Rückwärts-Gehen löst, sondern auch noch eine fragile Froschart vor dem Aussterben rettet und seinen nicht so talentierten Mitschülern konstruktiv und ohne Hybris unter die Arme greift.

Also ein Kind, das nicht so eine dumme, egoistische Arschgeige ist, wie die SUV-fahrende, fast-food-fressende, emotional-abgestumpfte Elterngeneration, deren größte emphatische Leistung es ist, irgendwelche F-Prominente beim Dschungelcamp raus zu wählen (dann haben die es endlich hinter sich). Ein Kind, das so anders ist, weil es eben ein „Sondervermögen“ hat. Ja!

Leider ist aber das „Sondervermögen“ das deutsche Unwort des Jahres.
Ein Wort, das einen riesigen Haufen Geld beschreibt, der … nein, nicht in die Bildung oder in Schulen oder Forschung oder sonstwas in die Zukunft gerichtetes gesteckt wird… der großteils dazu verwendet wird, das sterbende Industriezweige langsamer sterben.
(Apropos Vermögen: diesen Newsletter kann man unterstützen, siehe unten)

Ach, all die schönen Worte in einer nicht so schönen Welt.
Aber was soll man tun, außer sie sich komisch denken?
Man könnte es natürlich auch so wie die großen Medienhäuser machen und… übers Glatteis berichten.

Oder einfach: Saufen. Bei diesen Temperaturen hilft da nur ein Grog.
Auch ein schönes Wort. Grog.
Das klingt nach einem belesenen Troll aus einem Fantasy-Roman, der in einer Berghütte seinen Besuchern alle großen Fragen des Lebens beantwortet. Nämlich mit einer mindestens ebenso großen Gegenfrage und dabei Süßspeisen serviert, die aber nicht dick machen.

Das wäre ein schöner Grog. Leider klingt aber „Grog“ fast schon wieder so wie „Grok“, die KI vom Menschenfreund und Hitlergruß-Animator Musk, mit der man von allen Menschen sexualisierte Bilder herstellen kann.

Abgesehen davon, dass das ein bißchen extrem widerlich ist, ist das ja sichtlich die KI für alle, die wirklich überhaupt gar keine Fantasie besitzen. Insofern mach ich das jetzt mal auch… nur anders.

Ich füge mich dem Zeitgeist, schließe die Augen und frag meine interne KI - ganz ohne Grok und ohne Grog - wie Donald Trump und Chen Zi (und noch ein paar andere) ohne Sondervermögen aussehen, wenn sie bei Verstopfung in Gugu bei minus 29 Grad aufs Klo müssen (Plumpsklo, kein Wasserklosett, Abstand zum nächsten beheizten Haus mindestens 20m, the real Mühlviertel eben). Und das braucht keine Rechenleistung, keine Energie und keine Kühlflüssigkeit. Denn meine KI ist meine „kreative Intuition“.

Einfach Augen zu. Und jetzt: Pressen Donald! Pressen! Mei, hat der einen roten Schädel.
Sieht aus wie der „letzte Mohikaner unter den US-Präsidenten“.
Gugu!
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