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Nicht planbar

7. März 2026

Es ist ein bißchen so, wie wenn man im Zug sitzt. Plötzlich bleibt er stehen. Dann nach 10 Minuten gibt es eine dürre Nachricht über Lautsprecher, dass der vor uns liegende Streckenabschnitt durch ein (unverständlich) Güterzug (unverständlich) gesperrt, weshalb es zu Verspätungen von bis zu (unverständlich) Minuten kommen kann.
Und dann natürlich zum Schluß:„Wir bitten Sie das zu entschuldigen.“

Dann schaut man auf die Verbindungen an dem Bahnhof, an dem man eigentlich umsteigen wollte und denkt sich: „Das wird sich wohl nicht mehr ausgehen.“ Und dann denkt man sich noch: „Die Bahn ist einfach ein (unverständlich)!“

Das ist natürlich nur so, wenn man in Deutschland unterwegs ist.
Bahnkunden in der Schweiz oder in Österreich sind solche Szenarien fast so gut wie unbekannt.

Aber wie sagt der Schaffner der Deutschen Bahn dazu? Dieser Philosoph in Uniform? Wenn man ihn fragt, ob das mit dem Anschluß laut Plan doch vielleicht was wird? „Was ist schon planbar im Leben?“

Gute Frage. Tja, was?
Hochhäuser zum Beispiel.
Und es gibt Menschen, die planen die auch. Und zwar richtig hoch. Und die anderen dann höher. Und die dritten noch höher.
Und wenn die dann fertig sind, dann sind sie ein Anreiz, um noch höhere Hochhäuser zu planen.

Und über die gibt es dann Berichte. Mit den schönsten KI-gestützten Bildern. Da sieht man dann glitzernde Wolkenkratzer von über 500 Meter Höhe. Oder über 700 Meter. Oder über 1000 Meter!
Und weil das noch nicht reicht: Ein schwimmendes Hochhaus mit einer geplanten Höhe von 1700 Metern Höhe.
Nicht schlecht.

Und wer jetzt an den Turmbau zu Babel denkt, dem sei gesagt:
Knapp daneben. Die allermeisten von diesen Phalli des Hochmuts sollen nämlich in Dubai oder Kuwait errichtet werden.

Aber war da nicht gerade etwas? In Dubai? Und in Kuwait? Sind da nicht gerade Drohnen und Raketen eingeschlagen? Gibt’s da nicht Krieg? Saßen und sitzen da nicht immer noch Menschen am Flughafen fest? So als wären sie mit einem ICE der Deutschen Bahn in der Wüste gestrandet.
In diesen wackeligen Wüstensand soll jemand investieren?

Das wäre ja so als würde man die Deutsche Bahn ordentlich finanziell ausstatten.
Und das tut die Deutsche Bundesregierung etwa schon seit Jahren nicht.
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Ähnlich schwierig die Hochhauspläne in den Nachbarländern Saudi-Arabien und Ägypten. Gesellschaften, die mühsam von einem Geheimdienst- und Militärapparat in in Schach gehalten werden, wollen Gebäude errichten, die bis zu einem Kilometer hoch sein sollen? Warum? Damit alle Oppositionellen beim Bau eingesetzt werden können, in der Hoffnung des Regimes, dass sie möglichst dabei umkommen?

Ein trügerischer Plan. Da ist es wahrscheinlich effektiver, die Oppositionellen in einen Zug der Deutschen Bahn zu stecken und sich dort zu Tode ärgern zu lassen. Das kann dafür recht effektiv sein. Und schneller gehen als man glaubt. Also eigentlich langsamer. Denn die Durchsage verlautbartet gerade: „Der Lokführer wartet noch auf einen Befehl der Zugleitzentrale.“
Ja, die Befehlskette in Deutschland ist manchmal auch nur ein Analpiercing.

Ein anderer Bauplan sieht die Errichtung von Mega-Hochhäusern in China vor. Ja, in China. Lustig, gell? Denn wer hat gerade eine großartige Mega-Immobilienspekulationskrise zu stemmen? Genau: China.
So sieht es aus, wenn der Kapitalismus vom Einparteienstaat gelenkt wird.
Da macht er die selben Sachen wie in der freien Oligarchenwirtschaft… nur ein paar Jahre später.

Und dann gibt es noch das schwimmende Hochhaus.
Von lächerlichen 1700m Höhe. Das soll angeblich bei Tokio entstehen.
Das ist überhaupt das aller verrückteste.
Denn dort gibt es regelmäßig Erdbeben.
Soll heißen: Der nächste Tsunami kommt bestimmt.
Also ein schwimmendes Hochhaus vielleicht. Aber: nur liegend.
Und das ist dann 1700 Meter lang… und nicht hoch.

Bleiben noch Hochhaus-Pläne in den USA und in Brasilien.
Hmm….
Das eine Land hat es geschafft seinen protofaschistischen Expräsidenten wegen versuchten Staatsstreichs zu 27 Jahren Haft zu verurteilen.
Das andere Land hat ihre Ausgabe von geistesgestörtem Möchtegern-Pantokrator wiedergewählt.

Sagen wir so: Die Hütte in Brasilien könnte unter Umständen etwas werden.
Vielleicht. Denn man weiß ja nicht, was noch so kommt.
Das geht sich vielleicht doch nicht mehr aus.
Denn: „Was ist schon planbar im Leben?“, wie der Philosoph im Dienst der Deutschen Bahn sagt.
Oder wie formuliert es sein Kollege so schön, der die Durchsagen macht:
„Wir werden jetzt - für Sie - rückwärts fahren.“

Denn: das war so auch nicht geplant.
Wir bitten Sie das zu entschuldigen.
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