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Groebners neuer Glossenhauer
Der neue Glossenhauer

Demenz in corpore insanus

21. September 2026

Die Wahlen sind geschlagen und meine Krankenkasse schreibt mir:
„Demenz darf kein Tabuthema sein!“

Verständlich. Sichtlich bin ich nicht der einzige, der das Gefühl hat, dass die Demenz gerade um sich greift. Menschen leiden unter historischer Demenz und wiederholen zwanghaft geschichtliche Gegebenheiten.

Kommt mir zumindest so vor.
Bin aber auch ein spezieller Fall. Denn als Österreicher, der in Deutschland lebt, leide ich quasi am Gegenteil: An chronischem Deja-Vu.

„Warum kommt mir das so bekannt vor?!“, frag ich mich, wenn ich die Wahlplakate der AfD zu sehen bekomme. Dabei drücke ich leicht den blauen „Jörgi-Bär“, den ich seit dem Unfalltod Jörg „Prost!“ Haiders immer mit mir führe und der immer leicht nach Schnaps riecht.

Und nicht nur das. Auch die Reaktionen auf die Partei sind mir schon bekannt. Dieses hilflose „Das sind Nazis! Ganz böse Nazis! Mit denen spielt man nicht! Man übernimmt nur ihre Forderungen und wundert sich dann, warum sie immer mehr Stimmen kriegen“-Geschrei. Das kenn ich auch schon.

Und diese Diskussionen danach: Geht es um Inhalte?
Geht es um Köpfe? Geht es um Emotionen? 
Welchen Inhalt sollten wir jetzt emotional köpfen?
Kenn ich alles.
Und scheine dabei der einzige (oder einer der wenigen) in Deutschland zu sein.

Eine sehr seltsame Kombination. Du hast das Gefühl in einer Fernsehserie gefangen zu sein, wo Du jede Folge voraussagen kannst, während alle anderen sich zu Dir neigen und sagen:
„Irres Drehbuch. Hätt’ste nicht gedacht, oder?“

Es ist so, als ob Du in Moskau Deine Stimme abgibst, nicht die Regierungspartei wählst, niemand kennst, der die Regierungspartei gewählt hat, und nach drei Wahltagen sind alle total überrascht darüber, dass die Regierungspartei einen großen Sieg errungen hat. Und nur Du denkst Dir:

„Äh… ja was habt Ihr denn geglaubt, dass raus kommt?“

Oder so:
Du leitest die Entwicklungsabteilung eines deutschen Autokonzerns und alle Deine Modelle, die platzsparend, abgasfrei, leise und vor allem elektrisch unterwegs sind, werden… nie gebaut.

Und zwar solange bis plötzlich dein Absatzmarkt, wo Millionen Menschen teilweise auf engstem Raum bei schlechter Luft zusammen wohnen, deinem Konzern weg brechen.
Und das gesamte Management samt Geschäftsführung fragt sich, warum die da drüben keine riesigen spritzfressenden, stinkenden, lauten Stadtpanzer kaufen wollen.
Und Du denkst Dir: „Naja, was habt Ihr denn geglaubt?“
Und das in Zeiten, in denen der Ölpreis steigt und steigt und steigt und steigt.

Deshalb sage ich: nicht schweigen beim steigen.
Schließlich hat mir das ja meine Krankenkasse empfohlen: „Demenz darf kein Tabuthema sein.“

Weder historische Demenz. Noch politische Demenz. Oder gar wirtschaftliche Demenz.
Letztere ist besonders gefährlich, weil sie die einzige Demenz ist, die nicht Vergangenes (wie die historische) oder Gegenwärtiges (wie die politische) verschwinden lässt, sondern eine physikalisch durchdachte, ökonomisch durch gerechnete und ökologisch tragbare Vorstellung von der Zukunft aus den Gehirnen löscht.

Und ist diese Vorstellung von der Zukunft einmal weg, dann folgen der futuralen Demenz auch als bald Arbeitsplätze, Volksparteien, Wirtschaftsmodelle, Staatsformen.

Am Schluß bleibt einem nur noch ein kleiner, blauer Jörgi-Bär zum Streicheln. Egal wie der heißt. Ulrich. Herbert. Giorgia. Oder Alice.
Man verschwindet in einem Wunderland, wo alles gut ist, die Kaninchen auch während eines Waldbrands mit einem reden können und die Königin aus dem Kartenspiel schreit: „Köpfen!“
Du drückst das Kuscheltier fest an Dich und freust Dich, dass er immer noch nach Schnaps riecht.

Darum wählen dann Menschen folglich Abziehbilder, die auf einem Mofa mit Verbrennungsmotor unterwegs sind, Freunde haben, die möglicherweise aus Russland finanziert werden und deren Gedankenwelt von vorgestern stammt, und die gegenseitig ihre Verwandten anstellen. Logisch. Bei der Bevölkerungsdichte! Wen denn sonst? Was haben wir denn geglaubt?

Nichts?
Oder können wir uns nicht mehr daran erinnern?
Wie auch immer - schnell Hilfe holen.

Denn: Demenz darf kein Tabuthema sein!
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