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Groebners neuer Glossenhauer
Der neue Glossenhauer

Adel verdichtet

3. Februar 2026

Macht Ihr Euch auch solche Sorgen?

Solche Sorgen um das norwegische Königshaus. Ja, denen geht’s so schlecht, dass einem schwindlig wird. Warum? Na weil rausgekommen ist: Die Kronprinzessin hat regelmäßigen Kontakt gehabt mit Jeffrey Epstein, so wie ihr Adelskollege der Prinz formally known as Prince Edward. Und Ihr Sohn, also der Sohn zukünftig sicherlicherweise not known as Prince, ist angeklagt wegen Vergewaltigung, sexueller Nötigung und anderen Sachen, für die wiederum Jeffrey Epstein known war.

Wobei der junge Mann ja Pech hat. Der ist einfach im falschen Jahrhundert geboren. Die Gnade der späten Geburt kennt man ja. In Adelskreisen handelt es sich eher um das „Schade der späten Geburt“. Denn gerade Adelige konnten sich vor zwei, drei, vierhundert Jahren sicher sein, dass eine Vergewaltigung noch als „starkes männliches Temperament“ abgebucht wurde.

Ein Verhalten, das damals sicher keinen Skandal ausgelöst hätte, weil Individuelle Menschenrechte - in der viel beschworenen guten alten Zeit - so bekannt waren wie CGI, MRT oder Instagram-Posts über Multitoolwerkzeug. Und Frauenrechte im speziellen waren überhaupt - wenn es sich dabei nicht um ausgesuchte Individuen wie Maria Theresia, Königin Victoria oder um weibliche Mitglieder eines skandinavischen Königshauses gehandelt hat - so verbreitet wie das Wissen um die Erdkrümmung in der Flat-Earth-Society.

Dafür gab es damals Eigentumsverhältnisse… ein Wahnsinn.
Also die Art und Weise wie das Vermögen in der Gesellschaft verteilt war, das kann man sich heute… sehr gut vorstellen. Schließlich ist es heute mittlerweile fast genau wieder so.
Laut dem französischen Ökonomen Piketty haben wir nämlich wieder Vermögensverteilungen wie zuletzt Anfang des 19. Jahrhunderts.

Und das war ja eine lustige Zeit damals:
Nannte man Spät-Absolutismus. Oder Restauration. Oder Ich-Chef-Du-Nix. Oder Biedermeier. Wobei man sich bis heute in der Forschung nicht ganz einig ist, ob man das Biedermeier jetzt wirklich Biedermeier schreibt, oder nicht doch Biedermaier, Biedermeyer oder gar Biedermayer.

Sicher falsch geschrieben ist: Biedermair.
Das schreibt man nämlich Niedermair. Und ist ein Kabarett-Theater in Wien.
Aber ich schweife ab. Die neusten Spieltermine gibt es hier zu sehen.

Im Biedermeier jedenfalls war alles ganz alles anders als heute: Da kämpften Mächte um die Vormachtstellung auf dem einen oder anderen Kontinent und in der Welt. Eine technische Revolution war dabei Fahrt aufzunehmen. Und die Adeligen hatten damals soviel Asche… also Kies, im Sinne von Moos, vulgo Gerschtl oder Pinke-Pinke, kurz gesagt Moneten, Grundbesitz und anderes Vermögen, dass die breite Masse davon sich gar keine Vorstellung machen konnte.
Weil es einfach jenseits Ihrer Fantasie lag.

In etwa so als würde sich heute der Typ vom Lieferservice vornehmen, mit dem Fahrrad jene Strecke entlang zu fahren, die Jeff Bezos oder Elon Musk oder Wladimir Putin mit Ein-Dollar-Scheinen auslegen könnten, wenn man all ihren Besitz in so etwas unsicheres wie Bargeld umtauschen täte. Da würde er - oder sie - sich sehr wundern, wie lange man da radeln muss.´

Aber da hör ich schon besorgte Bürger der besitzenden Business-Bros-Biomasse:
Man darf doch nicht die Leistungsträger…

Nein, darf man nicht. Man darf sie nämlich nicht…. erwähnen.
Die Menschen, die von Leistung reden sind nämlich sehr um Diskretion bemüht.
Deswegen haben sie auch Helfershelfer. Die helfen beim Schweigen und beim Leisten.
Denn diese schweigenden Helfer und ihre Leistungen, die muss man sich erst leisten können.

Die Deutsche Bank zum Beispiel. Das ist so eine Ansammlung von schweigenden Leistungen. Finanzdienstleistungen. Und die hat übrigens gerade ein Rekordergebnis eingefahren.

Ist das nicht schön?

Einen Tag vor dieser finanziellen Frohbotschaft allerdings war zu lesen, dass es eine Razzia in der Deutschen Bank gab: Wegen Steuerhinterziehung. Beziehungsweise Mithilfe zur Steuerhinterziehung. Wer nicht weiß, was das ist: Das ist ein anderer Name für Finanzdienstleistung. Das ist der Begriff, den man im Strafrecht gerne dafür verwendet.

Nein. Natürlich nicht immer. Aber immer öfter. Man kann natürlich auch Investment dazu sagen. Und die Menschen, die das Betreiben sind dann Investmentbanker.
Und jetzt kommt’s. Die Hunderttausendeuro-Frage (also die Frage für die Fahrradboten): Was war Jeffrey Epstein, der Sexualstraftäter von Beruf? Genau: Investmentbanker!

Ist das nicht ein wahnsinnig komischer Zufall? Wie sich da Adel, Geldadel, Steuerhinterziehung und Sexualstraftäter irgendwie treffen? Man kommt sich vor wie… in der guten alten Zeit.
Und wenn einem dabei jetzt schwindlig wird, dann ist es sicher nur der Walzer.
Und sei es auch der Niederwalzer.
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