CD "Man müsste mal" CD "Sinn" CD "Lauter Liebe Leute" CD "Ganz im Ernst" HörSchau-Proben

Monster-Kritik SZ April 2009

Presse Passau April 2009

Monstershow in Theorie und Praxis

Christian Moser zeigt Comics, Severin Groebner spielt sie: Begeisterung im Passau Scharfrichterhaus


Hektik, Stress, Angst, Unzufriedenheit, Selbstmitleid, Ordnungswahn oder Frühlingsgefühle - die menschliche Befindlichkeit treibt viele Blüten, die unser Tun und Sein nicht immer verzieren. Gut, dass es auch Humor gibt. Damit lassen sich unliebsame Eigenschaften in kleine „Monster des Alltags“ verwandeln, dargestellt als amorphe bis tierähnliche Comicfiguren mit Glupschaugen und vielsagenden Grimassen. Und damit lassen sich die Art und Weise, wie diese Monster uns am Arbeitsplatz und im Privatleben bestimmen, so überzogen vorspielen, dass man darüber lachen kann.
Der Buchautor Christian Moser und der Kabarettist Severin Groebner haben daraus ein vergnügliches Bühnenprogramm gestrickt. Moser liefert die Monster, Groebner den Schauspieler. Der eine Theorie, der andere Praxis: Moser mimt den Wissenschaftler im weißen Kittel, der mit emotionsloser Stimme die Alltagsmonster samt lateinischem Namen beschreibt, während sie auf die Bühne projiziert werden. Groebner übersetzt die Monster ausdrucksstark ins tägliche Leben, spielt den Agenturmitarbeiter Sebastian K., den seine in New York weilende Freundin verlässt, in Nebenrollen die karrierebewusste Chefin und den Duckmäuser-Kollegen Meier. Erst der schlaksige Kabarettist mit Wiener Zungenschlag macht aus der Buchvorstellung der drei Moser-Monster-Bände eine Show.
Groebner verkörpert die Eifersucht, bis er völlig verkrampft mit mehrfach verwundenen Beinen am Stuhl sitzt oder gibt den Jähzorn, bis ihm aus blutunterlaufenem Gesicht Schweißtropfen spritzen. Eine seiner Glanznummern: als Herr K. auf der Betriebsfeier ein Gedicht vorträgt, geschrieben auf eine Klorolle. Neu im Programm sind Groebners Gesangsnummern. Köstlich, wie er mit als Rock gebundenem Sakko die Agenturchefin als rappende Business-Queen mimt. Nach überstandenen Tiefschlägen schlagert K. beherzt: „Ich pack es an!“ - doch das Alltagsmonster „kurzlebiger guter Vorsatz“ folgt auf dem Fuß. Das erheiterte Publikum im Scharfrichterhaus belohnt das Duo mit begeistertem Applaus.
                           Gabriele Blachnik