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PNP, 5.11.2007

Wechselbad mit Krone

Severin Groebner begeistert im Scharfrichter Passau

Er ist eine Grande Dame: Haucht mit verruchtem Augenaufschlag Lieder ins Mikrofon. Benutzt mit sanfter Miene die wüstesten Worte. Wickelt einen dermaßen ein, dass man ihm am Ende alles abnimmt. Ja, sofern man das von einem Mann sagen kann, ist Severin Groebner eine große Dame. Und am Samstag hat er im ausverkauften Scharfrichterhaus mit seinem neuen Programm „So gibt man dem Leben seinen Sinn“ eine Show hingelegt, für die er einen Handkuss verdient.
Dabei beginnt alles ziemlich „rüdela-gag“, um nicht zu sagen depressiv: Von der Freundin und allen kreativen Eingebungen verlassen, trifft der Kabarettist auf der Bühne ein. Der Großvater ist auch noch gestorben, und so ist es nur noch ein kleiner Schritt zur zentralen Frage: „Warum ist das Leben so, wie es ist?“ Die Suche nach der Antwort führt direkt auf den Friedhof, wo die Familie in all ihren Ausformungen vom kiffenden Cousin bis zur keifenden Großtante zusammentrifft, um den Opa zu bestatten.
Groebner inszeniert die Dialoge zwischen seinen Figuren temporeich und charakterstark. Ohne Furcht vor Längen entwickelt er seine Pointen sorgfältig aus der Geschichte heraus und wagt neben schreiender Komik und wilder Fantasterei auch leisen Ernst. Man könnte heulen, wenn er den Tränen nahe in Erinnerungen schwelgt - und im nächsten Moment biegt man sich schon wieder vor Lachen über seine slapstickhafte Mischung aus dosierten Gesten und überbordender Mimik.
Die schillernde, knisternde Schaumkrone dieses faszinierenden Wechselbads bilden Groebners köstliche Lieder, die über seine in Umfang und Färbung enorm wandlungsfähige Stimme staunen lassen. Eine Stimme, die selbst beim Rappen noch nach Chanson klingt und am Ende die Lösung intoniert: Sinn findet, wer niemals aufhört zu fragen - und dem Tod ab und an so richtig ins Gesicht lacht.
Katrina Burkert