MMM -Regensburg
Brillant und urkomisch
Severin Groebner zeigt im Statt-Theater sein Meisterstück „Man müsste
mal…“.
REGENSBURG,. VON FLORA JÄDICKE, MZ
„Man müsste mal...“ den Herren einen Handkuss und den Namen einen
Schnaps geben – und der Wirklichkeit eins aufs Maul! Letzteres tat der
Wiener Kabarettist Severin Groebner mit solcher Wucht, dass Publikum
und Wirklichkeit schlicht kapitulierten. Die einen unter tosendem
Applaus, die andere aufgesogen in den aberwitzigen Utopien eines
irrlichternden Kabarettisten, der sein Glück in Deutschlands
„Worldwide what a wonderful world Show“ sucht. Sie nämlich ist
„Charlys“ letzte Hoffnung in diesem atemberaubenden Einakter. Er
beweint den karrieretechnischen Schleimegel“, der er geworden ist. Ein
Jammerlappen von Kabarettist, dessen einziger Ausweg aus den Schulden
„die Nummer mit dem Seehund“ ist. Die aber klaut ihm ein Piefke beim
europäischen Contest. Zu allem Überdruss soll er dort auch noch seine
Heimat Österreich repräsentieren. „Das Land, in dem Du über den Tisch
gezogen wirst, und die Reibungshitze, die dabei entsteht, nennen sie
Nestwärme“. Zur Rolle des Tontechnikers der Volksmusik-Show verurteilt
heißt es schließlich: „Jetzt reicht"s!“ Da bleibt nur noch Sabotage:
Statt Originalplayback muss Rammstein her. Das klingt alles harmlos.
Ist es aber nicht. Groebner geht in seinem neuen Programm „man müsste
mal...“ mehr zur Sache als sonst. In der Rolle des gescheiterten
Künstlers mäandert er, mal Sensenmann für mediale Volksverdummung,
dann scharfzüngiger Politkabarettist.
Schauspielerisch sprengt der gewaltige Klage-Einakter die Grenzen des
herkömmlichen Episoden-Kabaretts. Alles projiziert Groebner auf die
eine Person und ihre Realitätsfluchten. Dramaturgisch ist Charlys
Lamento ein Meisterakt, der auch mal das Blut stocken lässt. Dann
nämlich, wenn er kleine Mädchen in den Keller einlädt: „Der ist
schallgedämmt und ich ungehemmt.“ Oder aber sie lassen das Herz vor
Begeisterung springen, etwa beim Dialog zwischen Zeit und Raum.
Einfach brillant und urkomisch.
Am Ende wird es schwer zu gehen, denn Publikum und er wissen, „man
müsste mal... eine andere Welt schaffen“. Vor allem aber muss man
Groebner gesehen haben. Noch bis Samstag, jeweils 20 Uhr, im Statt-
Theater.
