Regensburg
Er ist so herrlich gescheit
Severin Groebners Programm „So gibt man dem Leben seinen Sinn“
REGENSBURG. Von Flora Jädicke, MZ
„Wie fühlen Sie sich – jetzt wo die Demokratie nach Bayern gekommen ist? Severin Groebner hat von der ersten Sekunde das Publikum in Statt-Theater ganz auf sich eingeschworen. Am Ende wird es ihn kaum gehen lassen wollen. Aber zuvor erlebt es ein grandioses Kabarett, herrlich gescheite und geschmeidige Chansons und ein Familientreffen, dessen Typen kaum schräger sind als der ganz normale Wahnsinn des Lebens.
Wieso das Leben eigentlich so ist, wie es ist? Darüber macht sich der Wiener Kabarettist so seine Gedanken. Mit schneidendem Scharfsinn, tief schwarzem Österreicher Humor und einem Charme, der selbst die ganz großen Themen zu tragikkomischen Schmonzetten geraten lässt.
Die Beerdigung des Opas wird zum Panoptikum der skurrilen Typen. Da ist Charly, der „ganz normal am Leben gescheitert ist und seinen Verstand verkifft hat, Tante Daphne, die Schauspielerin, die niemand beachtet, Tante Terror, alias Therese, die alte Naziwitwe, magersüchtige Cousinen und fette ewig Play-Station spielende Cousins. Das alles gerät am Ende zum surrealen Traum, in dem Groebner sein ganzes dramaturgisches Können unter Beweis stellt. Jedes Wort sitzt. Kein Schlenker zu viel. Groebner leistet verbale Präzisionsarbeit und leitet uns sicher durch die Abgründe des Selbstbetrugs. Und das mit der unverwechselbaren morbiden Attitüde des österreichischen Witzes und Happy End.
Liebe und Tod, Absurdes und schrill Makabres. Der Wiener Ausnahmekomiker lotet die ganze Bandbreite aus und ist dabei so klug und lebensgescheit, so pointiert ist sein Witz, dass es eine Wonne ist. Durchsetzt mit Liedern, die irgendwo zwischen Chanson, Jazz und Wiener Heurigenlied liegen ist dieses Programm ein echter Geheimtipp und eines der Besten, die das Statttheater zu bieten hat. Am Ende fragt er sich die Frage der Fragen. „Moment Mal – soll das am End wirklich alles gewesen sein?“ Und auch darauf weiß das Publikum keine andere Antwort als herzhaftes Lachen.
Seit zehn Jahren steht der Wiener Kabarettist auf den Brettern der Kleinkunstbühnen – mit Soloprogrammen und überschüttet mit Preisen. Er ist Sänger, Schauspieler, Autor für das Kindertheater und als Kabarettist ein echter Genuss.
Mittelbayerische Zeitung, 7.10.2008
