Aktuelles
Frankfurter Rundschau:
Kabarettist Severin Groebner im Porträt
Wut genug
Die Schulkinder draußen auf der Straße sind selig. Große Schneekugeln halten sie im Arm, die wenigen Flocken sorgsam zusammengekratzt. Schnee? Severin Groebner drinnen im Café Leidenschaft sagt: "Ich komme aus einem Land, wo mit Schnee Geld verdient wird." Und wo sein Landsmann Wolf Haas eiskalt zwei amerikanische Touristen im Skilift in Zell am See erfrieren lässt. Haas schreibt Krimis. Groebner ist Kabarettist. Und Schnee mag er genauso, wie er in Frankfurt vorkommt, in "homöopathischen Dosen" nämlich. In Wien, seiner Heimatstadt, bricht der Verkehr dann gleich zusammen: "Die Wiener sind jedes Mal ganz überrascht, es hat ja keiner damit rechnen können" Sympathisch irgendwie.
Genau wie das Wort "Grätzel". Klingt ein bisschen "wie eine Hautkrankheit", meint aber dasselbe wie Bornheim. Das Dorf in der Stadt nämlich, das Viertel. Groebner zog der Liebe wegen dorthin: "Ich weiß nicht ob ich wirklich in Frankfurt wohne, ich wohn´ oben in Bornheim", sagt er und nimmt ein Stück vom Rotweinkuchen, das aussieht, wie ein kleiner Guglhupf aus einem Sandkastenförmchen.
Das Café mit dem guten Kuchen hat Groebner gleich entdeckt. Und ein Wiener Kaffeehaus war es auch, wo die Karriere des Kabarettisten, der mittlerweile diverse Kleinkunstpreise gewann und heute im Haus am Dom auftritt, vor 14 Jahren begann. Irgendwann hieß es dort über die selbst getexteten Lieder: "Ihr seids a super Kabarett." Okay, "eigentlich waren wir eine Rockband", sagt Groebner, nimmt einen Schluck Milchkaffee aus der kleinen Tasse und zieht die Stirn in Falten. Kabarett Niedermair, österreichischer Kabarettförderpreis, der Umzug über die Grenze nach München kamen danach. Groebner spielte mit bei der Bergbauern-Parodie "Der Watzmann ruft", erhielt vom Burgtheater Nürnberg den deutschen Kabarett-Preis, "den kleinen wohlgemerkt, einen großen gibt es auch".
Etwas kleine Augen hat er heute, denn in der Nacht zuvor spielte er bis 2 Uhr in der Früh beim Hessischen Rundfunk seinen kabarettistischen Jahresrückblick ein. Der läuft an Silvester um 17.05 Uhr auf hr 2 Kultur. "Deutschland ist zu mir viel freundlicher gewesen als Österreich es je war", sagt Groebner.
"Anders böse"
Österreich, das Land, in dem der Humor "anders böse" ist, "wir haben da schon eine Neigung, uns mit dem Grauen auf Augenhöhe zu begeben und ihm ins Gesicht zu lachen." Es gibt eben diese "besondere Art von Verbrechen, die nur in Österreich vorkommen, ich sage nur das Stichwort Keller..." Besonders schön hat den Unterschied Helmut Qualtinger beschrieben: "In Deutschland kommt einer auf die Bühne und sagt, der Bundeskanzler ist ein Trottel. In Österreich kommt ein Trottel auf die Bühne und sagt: Der Bundeskanzler ist super."
Politischen Stoff findet Groebner in der vielfältigen Frankfurter Zeitungslandschaft genug, so wie die von der FR aufgedeckte Steuerfahnder-Affäre. Das sind Geschichten, "da muss man mit dem Ärger irgendwohin und das Stück anschließend mindestens drei Mal überarbeiten, weil man vor lauter Ärger zu plump wird, das grobe Schwert nimmt und nicht das feine Florett."
In Wien, der Stadt, in der "ein gutes Drittel" der Bevölkerung "nicht latent, sondern offen fremdenfeindlich ist", gilt Groebner manchen bereits als Piefke. "Das sagen mir dann Oberösterreicher, Most-Schädel, die erst seit fünf Jahren in Wien leben". "Most-Schädel " - das meint die Landbevölkerung, die "vergorenen Apfelsaft trinkt". Noch so eine Paralleele zur neuen Heimat, in der Groebner allerdings mehr die Weißweine schätzt.
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BR - Mediabox: Kabarettisten in Aktion
Severin Groebner - Grenzgänger mit Hang zum Absurden
