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Presse Penzberg

Schön gescheitert

Der Wiener Kabarettist Severin Groebner begeistert mit seinem Solo
„Man müsste mal …“ auf Gut Hub

Penzberg. „Man müsste mal …“ – stimmt genau! Nicht nur wir Normalsterblichen spielen gern mit den unausgereizten Möglichkeiten unseres Lebens, auch das gleichnamige Kabarettsolo der Wieners Severin Groebner leidet aufs Schönste daran, dass man eben nicht so schnell aus seiner Haut kann.

Auf Gut Hub führte der junge Schlaks am Sonntagabend 120 begeisterten Besuchern vor, wie man als Mensch im Allgemeinen und als Österreicher im Besonderen an der Unentrinnbarkeit des eigenen Daseins laboriert – kein Wunder bei der (frei erfundenen) Biografie Groebners, der sich gern „Koarl“ oder „Charly“ nennen lassen würde: Die Oma war eine „alte Nazischlampe“, die den kleinen Karl/Severin schon frühmorgens mit Ertüchtigungsübungen drangsalierte, und die „im Irak-Krieg gefallene“ Mutter gab blutrünstige Tipps, wie man sich gegen missliebige Konkurrenz durchsetzt im Leben. Zurück blieb fast zwangsläufig ein entscheidungsschwacher Brillenträger, der nun auch noch „Österreich repräsentieren“ soll. All dies in einem diffusen europäischen Wettbewerb, der Groebner zugleich irgendwo hinter den Kulissen stattfinden lässt und zu welchem er vor seiner „Nummer mit Seehund“ immer wieder durch den Vorhang hinüber späht – man ahnt das Grauen der Unkultur, das sich dahinter abspielt.
Nebenbei handelt Groebner auch noch Auswüchse des schlechten (TV-)Geschmacks ab, indem er ein „Inzest-Trio aus Druck am Eiter“ erwähnt oder mit schnarrender Stimme seine Landsleute als „ein Volk, ein Reich, ein Witz!“ beschreibt. Nicht mehr so ganz deutsch, noch nicht ungarisch und „leider auch nicht italienisch“ sieht er die Ösis und damit auch sich selber: Fußballweltmeister wird die Nation der Skifahrer erst, wenn das Spielfeld „70 Grad Geländeneigung“ aufweist.
Ja, man müsste mal was ändern an solch bejammernswerten Zuständen: Als Tontechniker im Fernsehen könnte man zum Beispiel den O-Ton beim Musikantenstadl abschalten und die „Sex Pistols“ einspielen; oder man könnte der Traumfrau endlich das Ja-Wort geben statt eine Analyse-Gruppe zu gründen. Man könnte Auto fahren lernen, damit man nicht mehr „ohne Führerschein und besoffen“ im Ausland Lamborghinis die Vorfahrt nimmt. Man könnte – wenn man nur könnte!
Groebners Lamento ist hinreißend komisch, seine gespielt resignative Grundhaltung erntet die Sympathien seiner Zuschauer im Sturm: Schönes Scheitern vor Publikum ist seit Josef Hader immer noch die sicherste Methode, denn es ist ein stellvertretendes, inklusive der Schulden: „Die kannst’ net wegatmen“, lautet Groebners Seitenhieb auf die Esoteriker, „wenn das ginge, wäre der nächste Finanzminister ein Blasebalg!“
Tja, nicht umsonst hat das kabarettistische Alter ego des Wieners „zwölf Jahre bei Komiker ohne Grenzen“ überlebt – inklusive Fallschirmabspringen über Fundamentalistengebiet. Doch eigentlich, so Severin Groebners Schlussgesang, „müsse man goa nix“ – denn in viereinhalb Milliarden Jahren ist es alles vorbei. Irgendwie tröstlich.
MM Penzberg