Presse Ö1
Ursula Burkert Ö1:
Einer schwadroniert über das Leben
Die Leichtigkeit des Severin Groebner
"Im Kabarett Niedermair verdiente sich Severin Groebner im Jahr 1994 - damals noch im Duo mit Klaus Gröll - seine ersten Sporen als Musik-Kabarettist. 1999 brachte Severin Groebner sein erstes Soloprogramm "Groebner Unfug" heraus, gewann diverse Kabarett-Förderpreise, war als Schauspieler tätig, spielte in Musicals und produzierte gemeinsam mit dem Münchner Comic-Zeichner Christian Moser die Kabarett-Comic-Show "Monster des Alltags". 2004 wurde er für das Solo "Ganz im Ernst" mit dem Salzburger Stier ausgezeichnet. "Man müsste mal..." ist sein 6. Soloprogramm.
Zwischen Humor und Poesie
Ein Künstler vor dem ultimativen Auftritt. Es ist seine letzte Chance, es geht um alles oder nichts - das ist die Ausgangssituation von "Man müsste mal..." Es ist anders, als in früheren Kabarett-Abenden des nach Frankfurt ausgewanderten Wiener Kabarettisten. Hat er noch bei den letzten beiden Soloprogrammen "Lauter liebe Leute" und "So gibt man dem Leben seinen Sinn" mehrere Dutzend Figuren in Personalunion auf die Bühne gebracht, beschränkt er sich auf einen einzigen Protagonisten, den er hinter der Bühne - also nicht mehr ganz privat, aber auch noch nicht im Rampenlicht - über das Leben an sich, über persönliche und globale Krisen über das Showbusiness im allgemeinen, schwadronieren lässt.
Beste Leichtigkeit
Severin Groebner schauspielerischerEinsatz und seine sprachliche Präzision lässt das Einpersonenstück "Man müsste mal..." die Grenzen des Kabaretts überschreiten und doch behält es die Leichtigkeit, die man sich im besten Fall von einem Kleinkunstabend erwarten darf. Gesellschaftliche Fragen werden gleichermaßen im Vorübergehen thematisiert: das Bewusstsein darüber wird somit unaufgeregt signalisiert und gleich darauf kippen Situationen ins Skurril-Absurde. Und ein Thema zieht sich durch den ganzen Abend: Utopien aller Art.
Das Normale und das Außergewöhnliche, das Glück und die Verzweiflung, das Konkrete und das Fantastische - alles liegt im Grunde knapp nebeneinander. Es kommt immer nur auf die Betrachtungsweise an. Das führt Severin Groebner mit seiner ganzen lang gestreckten Körperlichkeit höchst komödiantisch vor. Außerdem erfreut er das Publikum auch wieder mit vergnüglichen, höchst individuell arrangierten Liedern und einem sehr gelungenem Dialog zwischen Raum und Zeit.
Severin Groebner schafft mit Hilfe der Münchner Kleinkunstkollegin Luise Kinseher, die bei "Man müsste mal..." Regie führte, elegant den kabarettistischen Spagat zwischen den Niedrigkeiten des Alltags und den Träumen und Utopien herzustellen. Mit einer gehörigen Portion Melancholie, aber auch Lebensfreude."
